Versuchter Totschlag ...

Die Kollegen Marc und Stef fuhren mit ihrem Dienstwagen auf der E40 Richtung Frankreich, als ihnen ein weißer Lieferwagen mit französischem Kennzeichen auffiel. Sie beschlossen, dieses Fahrzeug zu kontrollieren. Dabei hatten sie allerdings nicht mit dem Fahrer eines schwarzen Mercedes gerechnet, der sich zwischen die beiden Autos drängte und unsere Kollegen daran hinderte, dem Lieferwagen weiter zu folgen. Schnell wurde klar, dass der Fahrer des Mercedes es ernst meinte, denn nach abruptem Bremsen, Beschleunigen auf 170 km/h, Zickzackkursen und anderen seltsamen Manövern drängte er unsere Kollegen schließlich von der viel befahrenen Straße. „Versuchter Totschlag“, urteilten die Richter und belegten den Fahrer rechtskräftig zu einer Haftstrafe.

Marc und Stef bezeugen uns gegenüber:

Marc: „Wir waren für eine Routinekontrolle auf der E40 unterwegs und bemerkten einen weißen Lieferwagen mit französischem Kennzeichen. Stef und ich beschlossen, dieses Fahrzeug zu prüfen. Also fuhr Stef neben das Fahrzeug und schaltete unser Blaulicht ein. Ich nahm Blickkontakt mit dem Fahrer des Lieferwagens auf, um ihm deutlich zu machen, dass er uns zu folgen hatte. Der Fahrer nickte zum Zeichen, dass er damit einverstanden war.“

Stef: „Wie abgesprochen fuhr ich mit unserem Dienstwagen mit der Anzeige ‚Zoll folgen‘ vor dem Lieferwagen her. In der Zwischenzeit bemerkte ich, dass ein Mercedes-PKW vorbeifuhr. Kurze Zeit später bog er direkt hinter uns ein und fuhr vor den weißen Lieferwagen.“

Marc: „Wir setzten jedoch unsere geplante Route fort und verließen die E40 an der nächsten Ausfahrt. Zunächst lief alles glatt und der weiße Lieferwagen machte Anstalten, uns zu folgen ... Aber Stef sah in seinem Seitenspiegel, dass die Männer im Mercedes dem Fahrer des Lieferwagens ein Zeichen gaben, er solle der E40 weiter folgen ... und das tat dieser schließlich auch.“

Stef: „Ich versuchte unseren Wagen so schnell wie möglich zu wenden und schaltete Blaulicht und Sirene ein. Marc rief unterdessen die Polizei an, um Straßensperren auf der E40 zu veranlassen. Zurück auf der Autobahn befanden wir uns schnell wieder hinter dem Mercedes, der dem weißen Lieferwagen folgte.

Jedes Mal, wenn wir überholen wollten, fuhr der Mercedes von links nach rechts über die beiden Fahrbahnen und auch über den Standstreifen, um uns am Vorbeifahren zu hindern. Zeitweise bremste er stark auf unter 50 km/h ab. Es war offensichtlich, dass der Fahrer böse Absichten hatte.“
 
Marc: „Danach zog der Mercedes das Tempo wieder an und erreichte Geschwindigkeiten von über 170 km/h. Wir hatten zwar die Möglichkeit, ihn wieder zu überholen, weil er ab und zu langsamer wurde. Aber genau darauf hatte der Fahrer es abgesehen, denn plötzlich verließ er ohne Vorankündigung die Autobahn und wir konnten nur noch weiterfahren. Wir konnten ja nicht mitten auf der Autobahn wenden ...“

Stef: „Wir fuhren dann weiter bis zur französischen Grenze, wo die französische Polizei und weitere Hilfskräfte bereits Grenzkontrollen durchführten, in der Hoffnung, den Kleintransporter noch zu finden.“

Marc: „Dort erhielt ich zum Glück einen Anruf von der Polizei Westkust, die mir mitteilte, dass sie den Mercedes angehalten hatten und die beiden Insassen verhaftet worden waren. Wir haben uns dann dorthin begeben und ich informierte sofort den Magistrat der Staatsanwaltschaft. Die beiden Männer mussten auf Anweisung des Untersuchungsrichters in einer Zelle untergebracht werden. Ihnen stand möglicherweise eine Anklage wegen versuchten Totschlags bevor ... ”
Unsere Kollegen haben all die Monate in aller Ruhe auf das Urteil des Richters gewartet.

Schließlich wurde Ende März 2021 die Sache des Fahrers des schwarzen Mercedes und seines Beifahrers verhandelt. Der Richter urteilte, dass dem Fahrer wegen seiner gefährlichen Fahrweise auf der stark befahrenen Autobahn „Verdacht auf Totschlag“ zur Last gelegt werden könne. Es wurde eine Haftstrafe von 4 Jahren gegen ihn verhängt, davon die Hälfte zur Bewährung. Sein Beifahrer wurde nicht wegen versuchten Totschlags verurteilt, erhielt aber als Mittäter wegen böswilliger Behinderungen des Straßenverkehrs und bewaffneten Widerstands eine 12-monatige Haftstrafe, von der die Hälfte zur Bewährung ausgesetzt wurde. Das Fahrzeug wurde beschlagnahmt.

22.09.2021   •   Text: Marc, Stef  Anne und Bernd   •   Übersetzung: Annette Seffer   •   Lay out: Anne   •  

Fotos: Hammer: Okan Caliskan by Pixabay und Handschellen: Bill Oxford via Unsplash - Profile: OpenClipart-Vectors via Pixabay

*Stef: „Die Ratskammer kam monatlich zusammen und beschloss jedes Mal, die Untersuchungshaft zu verlängern.“



Marc: „Die Staatsanwaltschaft nahm den Sachverhalt sehr ernst. Die festgenommenen Personen bestritten jedoch die Vorwürfe. Am 2. Februar wurden Stef und ich bei der Lokalen Recherche als Zeugen vernommen (Salduz 1). Was mit dem weißen Lieferwagen geschah, muss noch näher untersucht werden.“
Marc: „Stef hielt zeitweise seine Hand aus dem Fenster, um den nachfolgenden Verkehr davor zu warnen, dass die Situation gefährlich war und dass sie abbremsen mussten, um Unfälle zu vermeiden.“

Stef: „Irgendwann gelang es mir, mich vor dem Mercedes einzureihen, doch der weiße Lieferwagen war für uns bereits außer Sichtweite. Kurz danach fuhr der böswillige Fahrer plötzlich neben uns, verließ seine Fahrspur und versuchte, uns von der Straße zu drängen. Ich musste stark bremsen und ausweichen, um einen Unfall zu vermeiden.“
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