Ein geräucherter Affe
Krokodilfleisch
Fluggäste aus Afrika kommen sehr früh morgens am Flughafen Zaventem an, wo unsere Kolleginnen und Kollegen des Gepäckkontrollteams sie zur Gepäckkontrolle empfangen. Sie haben sich bereits Gummihandschuhe und Mundschutz angezogen und Plastikfässer bereitgestellt. Es ist unglaublich, was unsere Kolleginnen und Kollegen während solcher Kontrollen, verpackt oder unverpackt, zwischen der Kleidung finden: getrocknetes Fleisch unbestimmter Herkunft, tropfende Tüten mit Fischschwänzen und Kühlboxen voller aufgetauter Gemüsezubereitungen. Appetitlich sieht das meistens nicht aus und die dazugehörigen Gerüche sind in einigen Fällen geradezu übelkeitserregend.
 
Warum die Kontrolle?

Reisende dürfen aus Afrika keine Fleisch- oder Milchprodukte in unser Land einführen. Es besteht jedoch eine Ausnahme für Honig unter bestimmten Bedingungen. Die Reisenden sind sich der Situation durchaus bewusst, denn auch in den Abflughäfen hängen deutliche Plakate, aber sie versuchen es trotzdem ...

Philippe: „Es gibt gewisse Beschränkungen für die Einfuhr von Lebensmitteln im persönliche Gepäck. So können Sie 20 kg Fisch für den persönlichen Bedarf mitbringen. Wenn Sie eine größere Menge Fisch dabei haben, wird der gesamte Fisch vom Zoll zur Vernichtung einbehalten.
Auch für Gemüse und Obst gelten Einfuhrbeschränkungen. Wenn Sie diese einführen möchten, müssen Sie über ein Pflanzengesundheitszeugnis verfügen.“

Unsere Kolleginnen und Kollegen werden von den Mitarbeitern der FASNK (Föderalagentur für die Sicherheit der Nahrungsmittelkette) unterstützt, die prüfen ob die mitgebrachten, zugelassenen Lebensmittel eine Gefahr für unsere Gesundheit darstellen. So werden neben Fleisch- oder Milchprodukten auch schlecht konservierter Fisch und aufgetautes Gemüse in die Plastikfässer entsorgt – oft unter lautem Protest. Dank der Coolness unserer Leute eskaliert die Situation nicht, aber hin und wieder müssen unsere Kolleginnen und Kollegen des Sicherheitsdienstes, die in potenziell gefährlichen Situationen Unterstützung leisten, eingreifen.

Die Septoboxen mit den beschlagnahmten Waren (Lebensmittel, Pflanzen, tierische Überreste) werden vom Waste Management des Flughafens Brüssel für einen sehr kurzen Zeitraum in einem Kühlraum gelagert, bis sie von einem zugelassenen Unternehmen für die Behandlung gefährlicher tierischer Abfälle abgeholt werden. Dort werden sie durch Verbrennung vernichtet. Der Flughafen ist dafür verantwortlich und bezahlt die Rechnung.
Internationale Maßnahme „Thunder“

Jährlich nehmen unsere Kolleginnen und Kollegen am Flughafen Zaventem an der internationalen Maßnahme „Thunder“ unter der Leitung der Weltzollorganisation (WZO) und Interpol teil. Mit dieser Maßnahme will man den illegalen Handel und die Kriminalität rund um wilde und/oder gefährdete Pflanzen- und Tierarten sowie Wilderei und Erntediebstahl bekämpfen.
Vier Tage lang werden 20 Flüge aus Afrika oder Asien unter die Lupe genommen. Unsere Kolleginnen und Kollegen arbeiten eng zusammen mit der CITES-Zelle des FÖD Volksgesundheit, Sicherheit der Nahrungsmittelkette und Umwelt. Neben den Beamten der Zollbehörde und der CITES-Zelle waren auch stets Wissenschaftler des wissenschaftlichen Ausschusses des CITES anwesend.



Was hat die Maßnahme „Thunder“ in Zaventem gebracht?

Insgesamt mussten nach der Kontrolle bei 72 Fluggästen Waren beschlagnahmt werden. So fanden unsere Kolleginnen und Kollegen am ersten Tag der Maßnahme bei 24 Fluggästen insgesamt 566,92 kg Lebensmittel, die nicht mehr konsumiert werden konnten. Aber das war noch nicht alles, denn bei zwei afrikanischen Fluggästen stellten sie auch einen Verstoß gegen das CITES-Übereinkommen fest: Der eine führte in seinem Gepäck einen toten Affen mit, welcher in Afrika vom Aussterben bedroht ist, und der andere Fluggast führte 3 kg Krokodilfleisch in das Land ein.

Am dritten Tag wurden 14 Fluggäste festgehalten. In deren Gepäck fanden unsere Kolleginnen und Kollegen 344,66 kg (!) verdorbene tierische und pflanzliche Waren, darunter u.a. 159,46 kg Fisch, 130 kg Fisch gemischt mit Gemüse, 4,7 kg Insekten und 14 kg Honig.
Ein Reisender hat jedoch spontan 10.000 Euro Bargeld angegeben.

Am letzten Tag mussten 24 Fluggäste erneut kiloweise verdorbene Waren abgeben. Bei drei Personen wurden aber auch 52 Stück Arzneimittel (Flaschen, Tuben und Tiegel) beschlagnahmt. Bei vier weiteren fand das Gepäckkontrollteam 224 Stück Kosmetika, die nicht den Gesundheitsanforderungen entsprachen. Wir wissen bereits seit längerer Zeit, dass auf afrikanischen Flügen oft Reisende verschiedene Cremetiegel mit hautaufhellende Mitteln  in ihrem Gepäck mit sich führen. Diese Produkte enthalten jedoch krebserregende  Inhaltsstoffe.
Tim und Pieter, was habt ihr beschlagnahmt?

Tim: „Im Gepäck eines aus Kamerun kommenden Fluggastes fand ich einen in Zeitungspapier eingewickelten geräucherten Affen, der etwa 2,9 kg wog. Neben dem Affen hatte der Mann auch noch drei Quastenstachler bei sich, die aber nicht in den CITES-Anhängen aufgeführt sind.“

Pieter: „Den anderen Affen habe ich ein paar Wochen zuvor festgestellt. Er wurde nicht während einer Kontrollmaßnahme gefunden. Da er während der internationalen Operation „Thunder“ entdeckt wurde, wird dieser Fund in die belgische Statistik aufgenommen.“

Am selben Tag wurden von den Kollegen Nico und Kevin auch 3 kg Krokodilfleisch im Gepäck eines Fluggastes aus dem Kongo gefunden.
Buschfleisch ist Fleisch von (meistens geschützten) wilden Tieren aus dem afrikanischen Regenwald, wie z. B. Affen (Gorillas und Schimpansen), Igel, Fledermäuse und Reptilien wie Schildkröten und Schlangen.

Afrikaner essen im eigenen Land eher Affen oder Antilopen, weil dieses Wildfleisch billiger ist als gezüchtete Kühe oder Schweine. Hier ist es eine Delikatesse für sie, aber auch für die Belgier. Einige Afrikaner verwenden es auch als Medizin. Sie denken, dass sie davon stärker und gesünder werden. Zugegeben, es enthält mehr Proteine und Nährstoffe als das Fleisch, das man hier normalerweise beim Metzger findet.


Welche Folgen haben Ihre Feststellungen für die Fluggäste?

Tim: „Das Fleisch wird beschlagnahmt und vernichtet. Es wird ein Protokoll verfasst. In diesem Fall ein CITES-Protokoll, weil es sich besonders um bedrohte Tierarten handelte. Die betroffenen Fluggäste mussten eine Geldbuße in Höhe von 2.500 Euro zahlen.

Bei einem CITES-Verstoß ist für unsere Feststellungen immer Folgendes anwendbar:
Verstöße werden gemäß Artikel 5 des Gesetzes vom 28. Juli 1981 mit einer Gefängnisstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren und mit einer Geldbuße von 26 Euro bis 50.000 Euro oder mit nur einer dieser Strafen geahndet.

Ich kann jedoch keine Aussage zu den genauen Beschlüssen des Gerichts in den einzelnen Fällen machen.“


Der Handel mit Buschfleisch muss eingeschränkt werden.


Er muss schon aus gesundheitlichen Gründen eingeschränkt werden, denn neben der Tatsache, dass das Fleisch oft verdorben ist, können auch Krankheiten vom Tier auf den Menschen übertragen werden, wie z. B. Affenpocken und virale Infekte.
Weiter ist Illegaler Wildtierhandel  – nach Drogen-, Waffen- und Menschenhandel – der lukrativste Kriminalitätszweig der Welt. Darüber hinaus ist der Handel mit lebenden und getöteten Wildtieren eine der größten Bedrohungen für die Artenvielfalt in den Tropen.


Welche Dienste unserer GVZ&A sind in Zaventem für diese Kontrollen zuständig?

Tim: „Das Gepäckkontrollteam, begleitet von einem Sicherheitsteam, das GAD-Team (Anti-Drogen-Team) während seiner Fahndungsaufgaben. Aber auch Frachtsendungen werden vom sachkundigen Cargo-Team kontrolliert.“
 
Zum Schluss vielleicht noch eine Anekdote?

Tim: „Anfang des Jahres fand das Gepäckkontrollteam außerdem eine lebende Maurische Landschildkröte im Handgepäck(!) eines Reisenden aus Marokko. Das Tier wurde in das Natuurhulpcentrum in Opglabbeek gebracht.“


Kontrollen sind daher wirklich nicht überflüssig.


Anm. d. Red.: Vielen Dank an Philippe, Kaat, Tim und Pieter vom Gepäckkontrollteam für ihre Hilfe bei diesem Bericht. Allen Teammitgliedern herzlichen Glückwunsch zu den guten Ergebnissen
Stopp dem Buschfleisch!
Philippe: „Im Laufe der vier Tage konnte das Gepäckkontrollteam neben Kosmetikerzeugnissen und Arzneimitteln insgesamt 3 kg Krokodilfleisch, 3 tote Stachelschweine, 2 tote Affen, 1.287 kg andere tierische Erzeugnisse und 538,97 kg pflanzliche Erzeugnisse beschlagnahmen.“

Ein Stachelschwein mit einem Bürstenschwanz

Kilo Trockenfisch

Eine lebende maurische Schildkröte

Krokodilfleisch

Ein geräucherter Affe

Ein Stachelschwein mit einem Bürstenschwanz
Kilo Trockenfisch
Eine lebende maurische Schildkröte
Text: Tim, Philippe, Pieter und Anne   •   Bilder:  Philippe und Tim   •   Übersetzung: mit dank an den übersetzungsdienst,  Ariane Chavet und Christophe Borgers