Paul Marlière, anerkannter internationaler Ermittler
Paul Marlière wird am 1. Januar 2022 nach 34-jähriger Tätigkeit in unserer Verwaltung seine Arbeit als Ermittler bei der GAD am Flughafen Bierset niederlegen. Er ist ein international anerkannter Experte auf dem Gebiet der Betäubungsmittel, der neuen psychotropen Stoffen (NPS), Waffen und besonders in der Analyse von Expressdiensten und Luftfahrt. Er gab zahlreiche Ausbildungen im Ausland, vor allem in Afrika, unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen, aber er zögert auch nicht, neue Mitarbeiter in unserer Verwaltung zu betreuen. Seine Zusammenarbeit sowohl intern als auch extern (Polizei, Justiz, Nachrichtendienst usw.) wird von allen gelobt, sodass seine Kollegen der Meinung waren, dass eine Medaille eine schöne Belohnung für seine sehr erfolgreiche Laufbahn beim Zoll wäre.
Paul, war es ein Kindheitstraum, Zollbeamter zu werden, oder haben Sie eine Ausbildung abgeschlossen, um einer anderen Arbeit nachzugehen?

Ehrlich gesagt, habe ich in meiner Jugend nie daran gedacht, eine Karriere beim Zoll zu machen. Ich kannte Zollbediensteten hauptsächlich „auf der anderen Seite der Grenze“. Mein Vater war nämlich Offizier bei den belgischen Streitkräften in Deutschland und wir überquerten regelmäßig die Grenze in Lichtenbusch. Später, als ich Matrose bei der Handelsmarine war, passierte ich bei meiner Rückkehr in den Heimathafen (Antwerpen usw.) die zukünftigen Kollegen. Es war also eher zufällig, dass ich 1987 beim Zoll in Eynatten landete, wo ich eine lange und abwechslungsreiche Laufbahn begann, aber ich blicke zufrieden auf die Chancen zurück, die ich bei dieser Verwaltung bekommen habe.
Das wünschen wir Ihnen, Paul, genießen Sie Ihren Ruhestand und wir danken Ihnen herzlich für die tolle Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren.
Sie waren also damals Matrose?

Ja, während fünf Jahren war ich Matrose. Ich habe nämlich stets davon geträumt, die Welt zu entdecken.
Dürfen wir dann auch erfahren, wie Sie beim Zoll gelandet sind?

Nun, bei einer der Gelegenheiten, als wir nach Belgien zurückkehrten, lernte ich meine damalige zukünftige Frau kennen. In den letzten 39 Jahren war sie meine Stütze und mein Halt. Nach der Geburt unseres zweiten Kindes – schließlich wurden es vier Kinder insgesamt und wir sind jetzt stolze Großeltern von vier Enkelkindern – hielt ich es für wichtig, einen guten Job zu finden. Ich nahm an einer Prüfung für das Ministerium der Finanzen (jetzt FÖD Finanzen) teil, ausgeschrieben durch das Ständige Anwerbungssekretariat (jetzt Selor). Als ich bestanden hatte, konnte ich zwischen verschiedenen Verwaltungen wählen (direkte Steuern, Kataster usw.), aber ich dachte: „Warum sollte ich nicht zum Zoll gehen?“ Letztendlich finde ich, dass ich eine gute Wahl getroffen habe.
Wie lange arbeiten Sie schon für die GAD am Flughafen Bierset und haben Sie vorher noch in anderen Diensten gearbeitet?

Ich habe Anfang Dezember 1987 bei den Kollegen in Eynatten angefangen. Dann wechselte ich zum Dienst Akzisen in Verviers und blieb dort 3 Jahre lang.

Als ich dann 1990 die Prüfung zum Sachbearbeiter (heute Verwaltungsassistent) bestand, wurde ich im Grenzbüro Visé ernannt, das an der Autobahn E25 zwischen Visé und Maastricht liegt. Dort habe ich zum ersten Mal Betäubungsmittel beschlagnahmt. Es folgten später noch viel mehr Beschlagnahmen.
Am 31. Dezember 1992 haben meine Kollegen und ich die Türen dieses Amts wegen der Öffnung der Binnengrenzen in der EU geschlossen (siehe beigefügte Zeitungsartikel).
Nach erfolgreicher Prüfung wurde ich zum beigeordneten Prüfer (jetzt Finanzexperte) bei der motorisierten Brigade von Lüttich ernannt. Nach drei Jahren wechselte ich zur motorisierten Brigade von Malmedy, wo ich auch nochmal drei Jahre arbeitete.
Dann erhielt ich die Chance, während des Balkankrieges zweimal an zwei internationalen Missionen in Mazedonien teilzunehmen.

Von 1999 bis 2000 arbeitete ich noch für die Zelle „Ausgangsstoffe“ als Prüfer (jetzt Steuerexperte), bis die GAD Lüttich (Flughafen Bierset) gegründet wurde. Bis zum heutigen Tag bin ich Teil dieses Teams.

Dank meiner Tätigkeit bei der GAD hatte ich die Möglichkeit, mehrere Länder anlässlich internationaler Treffen zu besuchen (Pompidou-Gruppe, Vorbereitung internationaler Einsätze usw.). Seit fünf Jahren werde ich auch regelmäßig als Ausbilder in Afrika für das ONUDC (Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung) eingesetzt.
Wie haben Sie diese Auslandsmissionen erlebt?

Es handelte sich um internationale Missionen zur Überwachung des Embargos gegen Serbien und Montenegro. Diese Missionen bestanden aus Zollbediensteten aus verschiedenen Teilen der Welt: Es war für mich wirklich die Gelegenheit zu entdecken, dass der „Zoll“ eine große Familie ist.
Sie verstehen und sprechen auch Niederländisch, hat Ihnen das bei Ihrer Karriere geholfen?

Mein Niederländisch ist nicht hervorragend, aber es hat mir geholfen, bessere Beziehungen zu meinen Kollegen aufzubauen, so zum Beispiel bei der Zelle „Ausgangsstoffe“ und mit den Kollegen der GAD-Zaventem.
Was treibt Sie an, jeden Tag Ihr Bestes zu geben im Kampf gegen Drogen, Waffen, CITES usw. am Flughafen Bierset?

Die Arbeit bei der GAD hat mich schon immer fasziniert: Das GAD-Virus wurde von unseren Kollegen in Zaventem wie Danny Struys, Paul Meuleneire und vielen anderen an mich weitergegeben, die ich auf diesem Wege grüßen und bei denen ich mich bedanken möchte. Dank dieser Arbeit konnte ich auch viele Kontakte zu ausländischen Kollegen knüpfen und mir hat sich eine neue Welt eröffnet: Der Zoll ist wirklich eine große Familie und dieser Geist der gegenseitigen Hilfe ist fantastisch.
Gibt es einen Nachfolger, der Ihren Kampf fortsetzt?

Was die „Nachfolge“ betrifft, so habe ich das Glück, junge Kollegen zu haben, an die ich dieses Virus weitergeben konnte. Ich hoffe, dass das so bleiben kann und dass sie eine ebenso packende Karriere haben werden wie ich. Wenn ich ein Bedauern ausdrücken darf, dann das, dass unsere Verwaltung strukturell nicht genügend Mechanismen entwickelt, um einen „Wissenstransfer“ zu organisieren, denn es ist sehr bereichernd, die gewonnenen Erfahrungen zu teilen.
Wie wollen Sie denn für einen solchen Wissenstransfer sorgen?

Die Probleme im Zusammenhang mit „Drogen, Ausgangsstoffen und NPS“ sowie mit CITES oder anderen „gemeinrechtlichen“ Angelegenheiten sind Probleme, die alle unsere Dienste betreffen können, sowohl im Luftverkehr als auch bei Straßenkontrollen. Es könnte interessant sein, mit diesen Kollegen Erfahrungen auszutauschen, sowohl theoretisch als auch praktisch (Begleitung vor Ort).
Was bedeutet Ihnen diese Medaille?

Es ist eine Freude, diese Medaille zu erhalten, weil sie doch eine Form der Anerkennung ist, aber wenn man seine Arbeit liebt, braucht man keinen Dank !. Ich finde vor allem, dass diese Medaille dem ganzen Team gehört, denn ohne Team gibt es keine Ergebnisse.
Wie sehen Sie Ihre Pension?
Ich vertraue darauf, dass meine Fau, meine Kinder und Enkelkinder dafür sorgen werden, dass ich mich nicht langweile, es besteht also keine Gefahr in diesem Bereich. Ich habe auch keinen Zweifel daran, dass meine Kollegen ihren „Papy“ weiterhin über ihre Arbeit informieren werden !.

Allerdings haben wir einen anspruchsvollen, anstrengenden Job und ich hoffe, dass ich während meiner Pension mehr Zeit haben werde, die Welt weiter zu entdecken.
03.11.2021   •   Text: übersetzt von Viviane Mertes   •   Lay-out: Ilse De Witte   •   Fotos: Stéphane Biebuyck, Paul Marlière und Kathleen De Backer