Gruppenfoto mit den Ausbildern und Mitschülern von Josien
Auf dem Sattel hockend
Im Amazonas-Sitz
Josien,
die erste weibliche Motorradfahrerin bei der GVZ&A
Die 29-jährige Josien kam vor 8 Jahren zu unserer Verwaltung. Damit trat sie sowohl in die Fußstapfen ihrer Mutter als auch ihrer Großmutter. Ein Dreigespann also. Unter den weiblichen Kolleginnen ist das schon bemerkenswert, aber was unsere sympathische Kollegin zusätzlich auszeichnet, ist, dass sie seit dem 15. Oktober als erste Frau der Nationalen Motorradstaffel angehört. Ein Job, den sie mit viel Freude und Enthusiasmus ausführt, wie sie sagt ...

Josien, warum bist du Zollbedienstete geworden?

Ich habe mich schon immer für Sicherheitsdienste interessiert, aber den Zoll lernte ich durch meine Mutter kennen, da sie hier seit 2001 arbeitet. Zudem besuchten wir im letzten Sekundarschuljahr im Rahmen eines Tages unter dem Motto „Lernen am Arbeitsplatz“ das Rummage-Team. So erfuhr ich, dass es auch spezialisierte Dienste innerhalb dieser Verwaltung gibt. Letztendlich lag die Wahl auf der Hand, denn nicht nur meine Mutter Veerle ist Zollbedienstete in Antwerpen, sondern auch meine Großmutter Lea war eine ehemalige Kollegin in Wuustwezel und Meer.
Ein Dreigespann, ganz schön außergewöhnlich! Aber warum hast du dich letztendlich für eine Ausbildung zur Motorradfahrerin entschieden?

Als ich 24 Jahre alt wurde, habe ich sofort den Führerschein der Klasse A gemacht. Motorradfahren hat mich immer fasziniert und das Gefühl, das es hervorruft, ist wirklich fantastisch! Darum wollte ich meine Leidenschaft gerne zum Beruf machen. Da fast 10 Jahre nach der letzten Ausbildung wieder eine freie Stelle ausgeschrieben wurde und es für mich an der Zeit war, eine neue Herausforderung anzugehen, habe ich die Chance ergriffen und 100 % gegeben.
Wie ist das Training für dich verlaufen – wir wissen ja inzwischen, dass es nichts für schwache Nerven ist?


Meiner Meinung nach ist allgemein bekannt, dass die „Motorradfahrer“-Ausbildung beim Zoll ein intensives 12-wöchiges Training ist. Auch Disziplin wird hoch geschätzt. Zu Recht wird kein Unterschied zwischen Männern und Frauen gemacht. Unsere Ausbildung fand in der Kaserne Elsenborn statt. Da zum ersten Mal eine Frau dabei war, musste hin und wieder improvisiert werden, aber alle Kollegen waren äußerst zuvorkommend.

Bevor ich anfing, haben mich viele Leute gewarnt, wie hart das Training sei. In den ersten Tagen wurde dies auch sofort deutlich. Es ist ein himmelweiter Unterschied, ob man Geschichten hört oder etwas selbst tut. Wir haben die Ausbildung mit 12 Anwärtern begonnen, und nach der zweiten Woche waren wir nur noch zu sechst. Man muss ständig das Beste aus sich herausholen, sowohl körperlich als auch geistig. Jeden Tag an seine Grenzen gehen. Aber das ist ja Teil der Ausbildung. So bin ich in der vierten Woche zum Beispiel zwei Tage hintereinander ziemlich schwer gestürzt und habe mir dabei sowohl am rechten als auch am linken Bein eine Verletzung zugezogen. Das erschwerte die Ausbildung sehr. Das sind die Momente, in denen man sich durchbeißen und Willenskraft zeigen muss.

Auch die Unterbrechung wegen des Coronavirus war nicht leicht. In den ersten Wochen zurück zu Hause lief ich verloren herum, weil ich sofort das Miteinander und die Struktur vermisste. Aber neben all dem Blut, dem Schweiß und den Tränen haben wir auch einige sehr schöne und tolle Momente erlebt. Vor allem die Verbundenheit sowohl mit den anderen Anwärtern für die Motorradbrigade als auch mit den Ausbildern war für mich einer der schönsten Aspekte der Ausbildung. Wir zählten die Wochen und sogar die Tage bis zum Ende der Ausbildung, aber rückblickend war es eine der fantastischsten Zeiten und Erfahrungen meines Lebens.
Wie gefällt dir der Job auf der Straße?

Wir sind natürlich erst einige Wochen dabei. Und trotz intensiver Ausbildung ist es vor allem die Erfahrung auf der Straße, die dich zu einem guten Motorradfahrer des Zolls macht. Bis jetzt genieße ich es sehr, jeden Tag etwas Neues zu lernen, mit neuen Situationen zurechtzukommen und oft mit anderen Kollegen zusammenzuarbeiten usw. Es ist der Traumjob, auf den ich mich zwei Jahre lang intensiv vorbereitet habe!

Wie sind die Reaktionen von Kollegen, Bürgern, Freunden und Familie?

In meinem direkten Umfeld sind alle sehr enthusiastisch und stolz. Ich habe während der Ausbildung enorm viel Unterstützung seitens meiner Familie, meiner Freunde und Kollegen erhalten. Ich denke, dass ich es ohne sie nicht geschafft hätte. In Momenten, in denen ich an mir zweifelte, konnte ich auf sie zählen.

Bei den Bürgern merkt man, dass das stereotypische Bild „professionelle Motorradfahrer sind Männer“ noch sehr lebendig ist. Erst letzte Woche blickte ein Fahrer überrascht auf, als ich seinen Gruß erwiderte; er hatte eindeutig eine Männerstimme erwartet. Ein anderes Mal wollte ich gerade losfahren, als mir eine Frau auf einem Fahrrad freundlich zurief: „Guten Tag, mein Herr“. Ich finde das überhaupt nicht schlimm.  

Die Kollegen necken sich auch untereinander, aber solange dies mit dem nötigen Respekt geschieht, lache ich gerne mit. Wenn eine Situation eintreten sollte, in der ich verletzende Bemerkungen an den Kopf geworfen bekomme, werde ich angemessen reagieren: Ich kann schon meinen „Mann“ stehen, und vielleicht ist Ignorieren noch die beste Lösung. Ich habe jedoch einmal bei einer Drogenkontrolle erlebt, dass ein Straftäter mir nicht Rede und Antwort stehen wollte und ausdrücklich nach einem männlichen Kollegen verlangte. Dieser konterte sofort und antwortete: „Das denke ich nicht, du wirst das mit ihr klären, ansonsten wirst du hier stehen bleiben, bis du deine Meinung änderst.“
Hast du eine Botschaft für Kolleginnen und Kollegen, die noch zweifeln, ob sie Motorradfahrer werden sollen?

Einfach machen! Informieren Sie sich bei den heutigen Motorradfahrern, bevor Sie mit den Tests und der Ausbildung beginnen. Man muss zwei Jahre Erfahrung im Führen von Motorrädern haben. Es ist ein fantastischer Job, aber mit „mal eben eine Runde drehen, wenn die Sonne scheint“ hat es nichts zu tun. Es gibt einen großen Unterschied zwischen einem privaten und einem professionellen Motorradfahrer. Der Job bedeutet Arbeiten bei Wind und Wetter, und man muss während der Arbeit körperlich und geistig 100 % geben.

Danke, Josien, für diesen persönlichen Bericht.

Gern geschehen. An dieser Stelle möchte ich noch meiner Familie, meinen Freunden und Kollegen für ihre Unterstützung in den vergangenen zwei Jahren danken. Und auch ein großes Dankeschön an meine Kurskollegen, mit denen ich diese Erfahrung teilen konnte, und an die großartigen Ausbilder für ihre professionelle Vorgehensweise und Geduld.
25.01.2022   •   Text und Bilder: Josien und  A.V.P.   •   Übersetzung: Übersetzungsdienst FOD Finanzen   •   Layout: Ilse De Witte
DANKE an alle!

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