Ich möchte ein Motorradfahrer sein
08.12.2021   •   Text: Andy Peiffer und Anne Van Puymbroeck   •   Lay-out: Ilse De Witte   •   Fotos: William Verbraekel - Sven Daelman -
Jean-Pol Schrauwen Tchekeroul Kouch - clem-onojeghuo-LLB2Nx-znmM-unsplash
Andy Peiffer
Ich will Motorradfahrer werden" mag für einige von uns der Traumberuf sein. Wir sprachen mit unserem Kollegen Andy Peiffer, der in unserer Verwaltung den Lehrgang für Motorradfahreranwärter leitet. Er vermittelt Ihnen eine gute Vorstellung davon, was Sie als Student erwarten können, aber auch davon, was von Ihnen verlangt wird, um als professioneller Motorradfahrer in unserer Verwaltung erfolgreich zu sein.
Andy, bitte stellen Sie sich kurz vor?

Sehr gerne. Ich bin 41 Jahre alt, Familienvater und lebe mit meinen 2 Töchtern, meinem Sohn und meiner Frau in Eynatten.
Ich bin seit dem Jahre 2003 bei der Zollverwaltung und begann meinen ersten Dienst als Finanzieller Mitarbeiter in der Zollbrigade Eupen bevor ich dann in 2007 nach meiner Ausbildung im Militärcamp Diekirch (L) zu den Motorradfahrern kam.
Mittlerweile bin ich als Steuerexperte immer noch beim „Operationellen Dienst Mototeam“ unter der Leitung von Herrn Patrick de Deken tätig.

Was ist Ihre Aufgabe bei der Zollverwaltung?

Ich habe mehrere Aufgabenfelder bei der Zollverwaltung. Zuerst einmal bin ich natürlich Teil der Motorradstaffel, welche auf Anfrage der verschiedensten Dienste in ganz Belgien operiert.
Hinzu kommt dann noch dass ich seit 2009 Ausbilder wurde und im Jahr 2013 zum Chefausbilder aufstieg. In dieser Funktion bin ich für die Ausbildung der neuen Anwärter verantwortlich und gebe auch jährliche Auffrischungskurse für bereits aktiven Kollegen.
Des Weiteren gebe ich auch Unterrichte für die deutschsprachigen Kollegen an der Schusswaffe im Auftrag des Dienst CITT.
Warum haben Sie sich für diesen Job entschieden, was motiviert Sie jeden Tag?

Zu Beginn war es die Neugier etwas Neues zu entdecken. Ich war noch jung und liebte Motorräder. Da kam die Ausschreibung zu einer Motorradausbildung beim Zoll gerade richtig. Ich konnte ja nicht wissen was mich dort erwarten würde. Zur damaligen Zeit war es noch nicht so durchstrukturiert im Personalbereich und es gab nur sehr wenige und sehr dürftige Informationen. Zugleich waren wir die ersten Beamten die sich beworben hatten und somit die Pioniere in dieser Sache. Wir entdeckten also sehr schnell dass diese Ausbildung sehr körperlich und auch mental anstrengend war. Und genau das war und ist immer noch meine Motivation. Etwas zu tun und zu können was nicht jeder tun und können darf.
Welche Kriterien muss ein Motorradfahrer-Anwärter erfüllen, um an der Ausbildung teilnehmen zu dürfen?

Er sollte sportlich sein, mental gefestigt, selbstsicher und mutig sein ohne dabei unüberlegt, hektisch und stressig zu agieren. Er muss bereit sein Altes über Bord zu werfen und Neues zu akzeptieren. Doch das Allerwichtigste ist dass der Kandidat gruppenfähig ist. Teamspirit wird sehr groß geschrieben. Im Alleingang kann niemand so eine Ausbildung erfolgreich absolvieren. Wir trainieren unseren Leuten an ihren Dienstpartnern zu vertrauen und sich auf diese verlassen zu können.
Die Ausbildung ist lang und kräftezerrend. Physisch wie psychisch wird einiges abverlangt.
Wo findet das D&A-Motorradfahrertraining statt? - Wie lange dauert das Training? Kehren sie am Ende des Tages nach Hause zurück oder gibt es ein Trainingszentrum, in dem sie bleiben können?
Wir haben im Elsenborn die allerbesten Voraussetzungen gefunden, welche man für eine solche 3 monatige (12 Wochen) Ausbildung nur vereinen kann.
Dort können wir exklusiv auf einem stillgelegten Flugfeld in aller Sicherheit unsere Übungen machen. Gleich nebenan gibt es einen Motocrossparcours denn wir kostenlos nutzen dürfen.
Natürlich gibt es auch die anderen üblichen infrastrukturellen Angliederungen welche für uns von unabdingbar sind, wie zum Beispiel eine Turnhalle, eine athletische Piste von 400m, ein Restaurant, eine Waschstation für Fahrzeuge, eine uns zur Verfügung gestellte Garage, Schlafstätten inklusive aller sanitären Einrichtungen, usw.
Die Schüler und Ausbilder verfügen jeweils für die Dauer der Ausbildung über ein eigenes Zimmer in einem seitens unserer Verwaltung angemieteten Block und sind frei in ihrer Wahl vor Ort zu verweilen oder nach Hause zu fahren am Ende eines jeden Tag. Wovon die Schüler aber keinen Gebrauch machen, alle bleiben immer uns ausnahmslos in das Ausbildungszentrum
Des Weiteren finden wir in der Gegend rund um das Camp die besten und kurvigsten Straßen, welche wir natürlich benötigen um das perfekte Kurvenverhalten zu erlernen. Das ist ein nicht zu unterschätzender Punkt. Wir haben uns viele Möglichkeiten überlegt und hatten immer das Problem, dass wir keine Kaserne finden konnten, welche alle Punkte so beinhaltet. Zum Glück gab es dann doch die Lösung in Elsenborn.
Wie viele Ausbilder gibt es?
Wie wird der Sprachunterschied aufgelöst?
Wie wird zum Beispiel der Sprachunterschied aufgelöst?
Wir sind ein Team von 4 Männern. Neben mir habe ich noch drei weitere sehr gute Ausbilder an meiner Seite. Erik Peeters und Tony de Poorter kümmern sich um den flämischsprachigen Teil und John Schmitz und ich übernehmen den französischsprachigen, beziehungsweise deutschsprachigen Teil.
Somit decken wir alle Sprachengruppen perfekt ab. John ist zudem Rettungsmann bei der Feuerwehr und kann im Fall eines Unfall sofort Erste Hilfe Maßnahmen einleiten. Ein sehr sicheres Gefühl ihn dabei zu haben.
In der Realität sprechen und verstehen alle Ausbilder flämisch und französisch. Es kommt also nie zu Problemen, im Gegenteil, wir mischen ganz bewusst alle Leute untereinander um den Teamgeist auch sprachenübergreifend zu fördern.
Unser Motto lautet: „ Wir bilden keine Deutschsprachige, Flamen oder Wallonen, sondern Motorradfahrer aus.“
Wie viele Motorradfahrer können gleichzeitig trainiert werden?

Wir können prinzipiell so viele Motorradfahrer gleichzeitig trainieren wie Motorräder zur Verfügung stehen. Im Moment gibt es 8 Straßenbikes und 6 Motocross.
Die jetzige Ausbildung startete mit 12 Kandidaten. Davon sind jetzt in Woche 8 der Ausbildung noch 6 Kandidaten übrig.
Können Sie uns mehr über die Art des Fahrzeugs erzählen, das unsere Motorradfahrer fahren?

Die Dienstmaschine ist eine BMW RT 1200 oder 1250 (vom Jahr der Bestellung abhängig). Das sind sehr schwere aber auch gut zu bedienende Motorräder mit Boxermotoren. Wie auf dem Bild zu erkennen werden diese Bikes mit Blaulicht, Sirene und Stripping versehen.
Sie haben bis zu 136 PS und beschleunigen in 2,9 Sekunden von 0-100km/h.
Unsere Trainigsmaschinen für die Ausbildung sind Kawasaki Z900 mit 126 PS und Motocross Kawasaki KX450F
Wie läuft das Training ab: Was müssen unsere Motorradfahrer können? Welche Übungen sind für die meisten Teilnehmer am schwierigsten?

Es gibt einen sehr strikten und strukturierten Ablauf der Ausbildung. Jede Spezifikation hat seinen gut überlegten Platz.

Die Trainings sind sehr unterschiedlich aber einiges bleibt vom Ablauf her immer gleich. Nach einer ausgiebigen Erklärung dessen was verlangt wird können die Kandidaten ihre Fragen stellen, dann führt ein Ausbilder die Gruppe an. So können die Kandidaten anhand seines Tuns sehen was gemeint ist und es ihm gleichtun.

Wir haben über all die Jahre die Erfahrung gemacht, dass eine gute Erklärung in Verbindung mit vielen hunderten Wiederholungen auf den Bikes der einzige Weg zum Erfolg ist.

Am Schwierigsten ist es immer für die Kandidaten ihre natürliche Hürden zu überwinden, den Ausbildern blind zu vertrauen und mutig zu sein etwas auszuprobieren. Beim Motocross zum Beispiel.

Lernen sie etwas über die Wartung ihres Fahrzeugs?

Ja natürlich, doch da beschränken wir uns auf die normale Wartung des Bikes und in Augenscheinnahme des technischen Zustand vor einer jeden Fahrt. Es ist zwar wichtig dass ein Motorradfahrer dem Garagisten vorab schon erklären kann wo das Problem liegen könnte, doch dürfen wir nicht vergessen dass wir keine Mechaniker ausbilden. Jedem Profi sein eigenes Brot.

Gibt es Prüfungen am Ende der Ausbildung?

Die Ausbildung beinhaltet insgesamt 12 Tests, welche in regelmäßigen Abständen und im Laufe der Ausbildung absolviert werden müssen. Es finden also nicht alle Tests zum Schluss statt.

Bei diesen Prüfungen geht es um: Motocross - Geschicklichkeit auf dem Motorrad, Kurventechnik und Fahrlinien, Intervention und Sport.

Was passiert, wenn Sie nicht bestehen?

Wenn ein Kandidat die nötigen Punkte nicht erzielen kann, wird er nicht zu der Motorradstaffel zugelassen. Er muss meines Wissens nach dann in seine ursprüngliche Einheit zurückkehren.

Welche Kriterien sollte Ihrer Meinung nach ein guter Motorradfahrer erfüllen?

Im Prinzip die gleichen Kriterien, welche er mitbringen sollte wenn er sich für den Posten bewirbt. Man kann die Funktion erlernen, dafür hat man ja die Ausbildung, aber was man nicht lernt und mitbringen muss, sind:
Guter Wille, Vernunft, Motivation, Disziplin, Teamfähigkeit, Gehorsamkeit, Biss

Wird es Auffrischungskurse geben?

Es gibt bereits seit 2008 jährliche, verpflichtende Auffrischungskurse für alle Motorradfahrer unserer Verwaltung. Leider sind wir durch das Covid-Virus im letzten Jahr zu kurz gekommen. In diesem Jahr werden diese Kurse aber wieder aufgenommen.

Vielen Dank für dieses Gespräch, Andy