Haare spenden, Glück verschenken

 

Die Kolleginnen Isabel Payne (Dienst Regionalzentrum Direktor Brüssel) und Brenda Buys (Zweigstelle Antwerpen) spendeten spontan ihre langen Locken an die Initiative „Haare spenden, Glück verschenken“ von Think Pink.

 

Dank dieser Haarspenden können Frauen und Männer mit Brustkrebs, die mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, Unterstützung beim Kauf einer Perücke oder einer modischen Mütze erhalten.

 

Eine mutige Entscheidung, vor allem wenn man weiß, wie lange es dauert, bis die Haare nachgewachsen sind. Doch beide sind sich einig: Zu wissen, dass man jemandem auf diese Weise hilft, gibt einem ein besonders gutes Gefühl. Geben wir ihnen das Wort ...

 

THINK PINK

Hallo Isabel, was hat dich dazu bewogen, dein Haar zu spenden?

Isabel: „Sowohl in meiner Familie als auch in meinem Freundeskreis kenne ich verschiedene Frauen, die mit Brustkrebs zu kämpfen haben. Wenn man davon erfährt, fühlt man sich machtlos. Natürlich möchte man sie unterstützen, aber wie kann man das am besten tun? Es beginnt schon bei ‚Was soll ich sagen?‘ und ‚Was kann ich tun, ohne mich aufzudrängen?‘. Auch wenn ich diesen ersten Schritt schon mehrmals getan habe, fällt er mir nach wie vor schwer. Einige Betroffene sprechen nicht gerne darüber und ich stelle auch fest, dass das Thema ‚Brustkrebs‘ oder ‚Krebs im Allgemeinen‘ immer noch ein Tabuthema ist.

Die Tochter meines Partners hat bereits zweimal an die Initiative ‚Haare spenden, Glück verschenken‘ gespendet. Es erschien mir eine sehr gute Idee, auf diese Weise auch meine Unterstützung zu zeigen. Dennoch habe ich den Friseurbesuch immer wieder aufgeschoben, bis ich in diesem Jahr erfuhr, dass eine mir nahestehende Person ebenfalls an Brustkrebs erkrankt ist. Das war der zusätzliche Anstoß, den ich brauchte, um meinen Worten Taten folgen zu lassen. Und ich muss zugeben, dass mir das Gefühl, etwas tun zu können, besonders gut getan hat.

Ich stehe zu 100 % hinter dieser Initiative, weil ich denke, dass Haarausfall als Folge einer bestimmten Behandlung für Frauen etwas belastender ist als für Männer. Wenn ein Mann ohne Haare auf die Straße geht, wundert das niemanden, aber bei einer Frau ist das etwas ganz anderes. Dabei möchte ich die Auswirkungen, die dies zweifellos auch auf die betroffenen Männer hat, sicher nicht unterschätzen.“
Unterdessen nickt Brenda zustimmend ...

Brenda: „Vor drei Jahren kam meine damals erst 18-jährige Tochter auf die Idee, ihr Haar an Think Pink zu spenden. Ich hielt das für eine großartige Initiative und schloss mich ihr sofort an. Es fühlt sich wirklich gut an, etwas für einen anderen tun zu können.  Es war ein ziemlicher Schock, als ich drei Monate später, im November, erfuhr, dass ich selbst an Brustkrebs litt.“

Haben Sie das Angebot genutzt, sich eine Perücke anzuschaffen?

Brenda: „Ich habe tatsächlich einen Brief von der Krankenkasse erhalten, in dem stand, dass sie den Kauf einer Perücke bezuschussen würden, aber ich beschloss, keine Perücke zu tragen. Ich entschied mich für Mützen und Schals und lief oft ohne sie herum, vor allem zu Hause.

Wenn ich Familie oder Freunde das erste Mal traf, habe ich sie gefragt: ‚Stört es dich, wenn ich meine Mütze absetze?‘ Das neue Bild einer Brenda ohne Haare war für mich belastend. So konnte ich mir gut vorstellen, dass es auch für sie gewöhnungsbedürftig war, aber alle beruhigten mich mit ‚Mach es einfach‘. Darüber war ich schon froh, denn es war schön luftig. Vielleicht hat mich auch die Tatsache ermutigt, dass verschiedene Freunde bemerkten, dass der neue Look wirklich zu mir passt.“
Seit 2020 hat Think Pink eine weitere Initiative ins Leben gerufen: Geld spenden, um Leidensgenossen beim Kauf einer modischen Mütze der Marke Love Charlie zu unterstützen. Auch eine schöne Idee, oder?

Isabel: „Auf jeden Fall, denn nicht jeder hat lange Haare, und auch auf diese Weise kann man seinen Beitrag leisten."

Welche Länge muss deine Haarlocke denn haben?

Isabel: „Bei mir waren es noch 25 cm, aber ich habe mir sagen lassen, dass es inzwischen schon 30 cm geworden sind. Zudem muss das Haar gesund sein. Ob es gefärbt ist oder nicht, spielt keine Rolle. Mein Haar war auf jeden Fall gefärbt.“

Kannst du zu deinem eigenen Friseur gehen?

Isabel: „Ich konnte glücklicherweise zu meinem eigenen Friseur ‚Coiffure MC‘ in der Faluintjesstraat 48 in Meldert gehen. Mandy hat das alles bis ins kleinste Detail geregelt, damit meine Spende bei Think Pink ankam, aber das ist nicht überall der Fall.“

Brenda: "Meine Friseurin kommt zu mir nach Hause und ich wusste nicht, ob sie dabei mitmachen wollte. Ich habe den speziellen Umschlag, in dem man den abgeschnittenen Pferdeschwanz kostenlos versenden kann, selbst bei Think Pink angefordert. Später erhielt ich von der Organisation auch noch eine E-Mail, in der sie sich für meine Unterstützung bedankten. Ich persönlich fand das schon sehr aufmerksam.“
Aufruf

Welche unserer Leserinnen und Leser folgen unserem Beispiel und spenden ebenfalls ihre schönen Locken für einen guten Zweck an „Haare spenden, Glück verschenken”? Sie werden sehen, es tut Ihnen gut.

Brenda en Isabel.
Kolleginnen und Kollegen, die ebenfalls ihre Haare an Think Pink spenden möchten, finden auf der folgenden Website nähere Informationen:

www.coupedeclat.be
Isabel, hast du vielleicht ein paar Tipps für uns, wie man in Kontakt bleiben kann?

Isabel: „Ja, aber das sind keine großen Sachen. Ich sende regelmäßig eine Karte oder ich rufe mal an. Ich schicke vorher eine Nachricht mit der Frage, ob ein Gespräch möglich ist, denn man weiß nie, ob die Leute durch die Chemotherapie nicht zu müde sind. Auch ein Präsent ist immer möglich, wie ein Blumenstrauß oder Pralinen ... Obwohl, ich habe doch noch eine Frage an Brenda. Ich habe mir sagen lassen, dass Leute, die über einen längeren Zeitraum Chemotherapie bekommen, Probleme mit ihrem Geschmackssinn haben können oder dass die Haut viel empfindlicher wird. Was schenkt man in diesem Fall am besten?”

Brenda: „Glücklicherweise habe ich nicht allzu sehr unter Geschmacksverlust gelitten, aber meine Haut wurde doch sehr trocken.  Ich schlage vor, dass Sie in einem solchen Fall Ihren örtlichen Apotheker um Rat fragen, denn der hat einige Produkte im Haus, die Erleichterung verschaffen und die man verschenken kann. La Roche bietet zum Beispiel zahlreiche Mittel für empfindliche Haut an.”

Isabel: „Das ist eine super Idee, danke.  Um zum Schluss noch einmal auf den Anlass dieses Gesprächs zurückzukommen: Sobald meine Haare wieder lang genug sind, möchte ich auf jeden Fall noch einen weiteren Pferdeschwanz an Think Pink spenden.”

Wenn das kein schönes Versprechen ist!
Musst du den Haarschnitt bezahlen?

Isabel: „Wenn du zu einem Friseur gehst, der sich bei Think Pink hat registrieren lassen, dann ist der Haarschnitt kostenlos.“

Hattet ihr kein Problem damit, die Haare, die ihr so lange hattet wachsen lassen, mit einem Schnitt so kurz schneiden zu lassen?

Isabel: „Ich muss ehrlich sagen, dass ich mich doch schon mental darauf vorbereiten musste. Ich habe schon seit meinem 14. Lebensjahr lange Haare.“

Brenda: „Ja, meine Tochter sagte kürzlich noch: ‚Mama, meine Haare müssen zuerst wirklich sehr lang sein, bevor ich sie noch einmal spende.‘ Andererseits habe ich sofort die Vorteile erkannt: Mit so einem Kurzhaarschnitt ist man morgens im Badezimmer viel schneller fertig und man spart auch noch Shampoo (sie lacht herzlich).“
Wie haben die Menschen in eurem Umfeld reagiert?

Brenda: „Die Rückmeldungen waren positiv, das war natürlich schon toll.“

Isabel: „Ich habe viele herzerwärmende Komplimente erhalten, auch von Menschen, die sonst selten ihre Meinung kundtun.  Es ist schon hart, dass es auf dich als gesunden Menschen so einen Einfluss hat, die Haare schneiden zu lassen, wie muss es dann erst für die Betroffenen sein?“

Brenda: „Nach der ersten Chemotherapie fand ich Haarsträhnen auf meinem Kopfkissen. Ich habe mich dann entschlossen, mir meinen Kopf komplett kahl rasieren zu lassen. Natürlich habe ich eine Träne vergossen, als ich in den Spiegel schaute ... Doch nach ein paar Minuten nahm ich all meinen Mut zusammen und ging mit folgenden Worten zurück ins Wohnzimmer: ‚G.I. Jane is in the house.‘ Zusammen mit meinem Mann, der ebenfalls im Moment seine Haare verliert, habe ich dann ein Selfie gemacht und es an Familie und Freunde geschickt. Einige gaben hinterher zu, dass sie schockiert waren, als sie das Foto sahen ...“

Hattest du das Gefühl, dass die Leute Mitleid mit dir hatten?

Brenda: „Nein, nicht direkt, das wollte ich auch überhaupt nicht. Ich verstehe, dass es den Leuten schwer fällt, weil sie Angst haben, etwas Falsches zu sagen, aber es ist schöner, wenn sich alle weiterhin ‚normal‘ verhalten. Man möchte nicht wie ein ‚Patient‘ behandelt werden.“

25.01.2022   •   Text: Anne Van Puymbroeck   •   Übersetzung: Übersetzungsdienst FOD Finanzen   •   Bilder: Brenda Buys und Isabel Payne

Brenda Buys ©
Isabel Payne ©
Isabel Payne ©
Brenda Buys samen met haar dochter ©
Brenda Buys ©